Vergleich zwischen dem DIPOL D400 DNS und dem PULSAR FN455

Aus unserer Sicht gibt es keine schlechten Produkte solange Preis und Leistung im Einklang stehen. Die beiden digitalen Nachtsichtgeräte der Firmen DIPOL und PULSAR sind zwei Geräte mit guter Preis-Leistung und sollen in diesem Bericht näher dargestellt werden.

Da seit Dezember 2019 Vorsatzgeräte zur Schwarzwildbejagung in einigen Bundesländern erlaubt sind, machen sich immer mehr Jäger auf die Suche nach einer geeigneten Optik zur Ergänzung für ihre Tageslichtoptik. In der Beratungspraxis werden wir häufig gefragt, welche Technologie besser ist, „Wärmebildtechnologie“ oder „Nachtsichttechnologie“? Wir haben in unserem Blog einen Artikel hierzu geschrieben (einfach auf den Fetten Text klicken). Eine einfache Zusammenfassung der Inhalte des Artikels wäre der Satz: „Wärmebild findet, Nachtsicht bindet!“. Will heißen moderne Nachtsichttechnologie bietet sich als Vorsatzgerät zum Schießen an, da man hiermit sehr gut die Hintergrundgefährdung beurteilen und das Wild ansprechen kann.

Hat man sich dazu entschieden die Nachtsichttechnologie als Vorsatzgerät zu benutzen, steht man vor der großen Frage, welche Technologie besser ist. Auf dem Deutschen Jagdblog haben wir vor einiger Zeit einen Artikel zum Thema analoge Nachtsichttechnologie geschrieben, da es sich bei den beiden oben genannten Geräten aber um digitale Nachtsichtgeräte handelt, wollen wir die digitale Technologie etwas näher beleuchten.

Wie funktioniert die digitale Nachtsichttechnologie?

Bei der digitalen Nachtsichttechnologie wird ebenfalls, das in der Umgebung befindliche Restlicht verstärkt allerdings sind in den Geräten keine Bildwandlerröhren verbaut, sondern moderne charge-coupled device (CCD)- oder complementary metal-oxide-semiconductor- (CMOS) Sensoren.

Ein solcher Sensor besteht aus einer Matrix lichtempfindlicher Fotodioden. Ein Vorteil dieser Fotodioden ist, dass sie eine Kantenlänge von 1,1µm bis 20µm haben können. Je größer die Fläche jeder einzelnen Fotodiode ist, desto höher ist die Lichtempfindlichkeit und der Dynamikumfang des Sensors. Allerdings haben große Fotodioden auch den Nachteil, dass bei gleicher Sensorgröße die Bildauflösung kleiner wird. Durch den breiten Kantenlängenbereich haben die Ingenieure allerdings die Möglichkeit ein gutes Verhältnis von Auflösung zu Lichtempfindlichkeit herzustellen.

Die CCD- und CMOS-Sensoren sind meist günstiger in der Herstellung und somit wird auch das gesamte Nachtsichtgerät etwas günstiger als die analoge Konkurrenz. Ein Nachteil der digitalen Nachtsichttechnologie ist, dass sie noch nicht ganz auf die Verstärkungswerte des Lichtes, wie die analogen Geräte kommen. Aus diesem Grund kann die Unterstützung mit IR-Aufhellern zum Beobachten notwendig sein.

Das PULSAR FN455 in der Praxis

Das PULSAR FN455 verfügt über einen HD-CMOS Sensor mit einer Sensorgröße von 1280X720 Pixeln. Der Bildschirm auf den Sie schauen ist ein AMOLED Display mit einer Auflösung von 1746x1000 Pixeln. Durch die Kombination des Sensors mit dem hoch auflösenden Display wirkt das Bild des FN455 sehr scharf. Das Gerät kommt allerdings schnell an seine Grenzen, wenn man gegen eine dunkle Waldkante beobachtet. Hier muss man häufig einen IR-Strahler zuschalten (nur zum Beobachten, nicht für andere Zwecke!). Der mitgelieferte IR-Strahler arbeitet im 940nm Wellenlängenbereich und ist somit gut auf den Bildsensor abgestimmt, allerdings streut er im Nahbereich etwas. Aus diesem Grund sollte man über kurz oder lang an den Erwerb eines Laserluchs denken.

Das PULSAR FN455 verfügt auch über eine Video-/ Fotofunktion. Hier darf man sich nicht über die Videoqualität wundern. Denn die Videos werden von dem Gerät in einer Auflösung von 640x480 Pixel aufgenommen, was eine deutlich geringere Auflösung als das Displaybild des Gerätes ist. Das Gerät beinhaltet viel Elektronik, dies schlägt sich meistens auf die Betriebsdauer nieder. Aber der mitgelieferte Akku ist mit ca. 9h Lebensdauer ausreichend. Schön ist bei der Firma PULSAR der systemische Ansatz. So kann man jeder Zeit Akkus mit mehr Leistung nachkaufen, da alle Akkus bei PULSAR gleich gestaltet sind, kann man diese auch in anderen PULSAR Geräten verwenden.

Das PULSAR FN455 ist ein sog. Dual-Use-Gerät. Ausgeliefert wird das Gerät mit einem Monokular, wodurch das Gerät zu einem reinen Beobachtungsgerät wird. Das Monokular kann jeder Zeit entfernt und das FN455 mittels eines passenden Adapters auf die Tageslichtoptik montiert werden. Wir empfehlen für die Montage der PULSAR FN455 die PS Adapter der Firma Smartclip. Die Nachtsichtoptik ist laut Herstellerangaben werkseitig zentriert. Nun gibt es aber verschiedene Gründe dafür, dass man eine Treffpunktverlagerung beim Schießen mit einer digitalen Nachtoptik hat (wir haben diese in einem Artikel für Sie beschrieben). Für eben diese Fälle sollte eine digitale Nachtoptik über die Möglichkeit der Bildkorrektur verfügen. Dies ist beim FN455 der Fall. Über ein Untermenü können Sie die Treffpunktlage des Gerätes korrigieren und somit auf Ihre Tageslichtoptik einstellen. Wie das genau geht, finden Sie auf unserem Blog. Eine weitere schöne Ergänzung des PULSAR FN455 ist die AppSchnittstelle, wodurch Sie das Gerät mittels ihres Smartphones ansteuern können, um Video zu streamen, zu beobachten, Firmware UP-Dates durchzuführen u.s.w.

Die Vorteile des PULSAR FN455:

  • Akkubetrieb mit den Akkus der Firma PULSAR
  • Video- und Foto-Funktion
  • Gute Bildqualität des Displays
  • Mitgelieferter IR-Aufheller
  • Bildkorrektur ist möglich
  • App-Unterstützung

 

Nachteile:

  • Die Menüführung ist nicht intuitiv und mit Handschuhen schwer zugänglich
  • Wenig Einstellungsmöglichkeiten für das Bild/ Kontrast/ Farbpaletten
  • Das Gerät ist sehr klobig

 

Das DIPOL D400 DNS in der Praxis

Das DIPOL D400 DNS fällt sofort durch seine kompakte und robuste Bauweise auf. Häufig hören wir von Kunden, dass sie nur keine Nachtoptik verwenden, weil die Röhren zu klobig sind. Mit dem D400 DNS von Dipol hat man ein Gerät, welches nicht „dick aufträgt“ und zudem durch die Bauweise mit Aluminiumgehäuse sehr robust wirkt. Was das Gerät ebenfalls sehr robust macht, ist die Abschaltautomatik. Durch diese technische Eigenschaft kann das Gerät am Tag angemacht und benutzt werden, ohne sofort kaputt zu gehen. Das Dipol D400 DNS verfügt über einen Infrarot-empfindlichen Bildsensor von SONY mit einer Auflösung von 752 x 576 Pixeln. Die Bilddarstellung erfolgt auf einem kontrastreichen OLED Display mit einer Auflösung von 1.024 x 768 Pixel. Auch beim Dipol Gerät muss man ab einem gewissen Grad mit einem IR-Aufheller mithelfen (nur zum Beobachten, nicht für andere Zwecke!). Der mitgelieferte IR-Aufheller arbeitet im 940nm Bereich und ist somit auf das digitale Gerät genau abgestimmt.

Vergleich schwarz/weiß zu grünDas Dipolgerät verfügt nicht über eine Video-/ Fotofunktion, dafür wartet das Gerät mit sehr viel Einstellungsmöglichkeiten auf. Über das einfach zu bedienende Menü kann man neben allen Kontrast-/ Helligkeits- und Empfindlichkeitseinstellungen auch die Farbe des Displays von s/w auf grün wechseln. Viele Kunden empfinden zwar das s/w Display als deutlich angenehmer aber einige Kunden bestehen auch auf ein grünes Bild. Beim Dipol D400 DNS kein Problem. Ein weiterer Pluspunkt ist die Erreichbarkeit der Bedienknöpfe bei Nacht. Dipol kann nur schwer den militärischen Ursprung verleugnen. Alle Bedienelemente sind bei diesen Geräten so angeordnet, dass man sie hinter der Waffe liegend, mit Handschuhen, unter allen Witterungsbedingungen bedienen kann.

Befestigt wird das Dipol D400 DNS mit einem Adapterring an der Tageslichtoptik. Wir empfehlen die AS Adapter der Firma SmartClip. Man benötigt lediglich einen passenden AS Adapter und die Dipolreduzierhülse. Auch das D400 ist ein Multi-Use-Gerät, so kann man optional zu dem Gerät ein Monokular kaufen, wodurch man sehr gut bei Nacht Beobachten kann. Das Monokular kann man mit dem Adapter, der eigentlich für die Tageslichtoptik gedacht ist, verbinden.

Wichtig ist, dass auch das Dipol D400 DNS ein Menü zur Bildkorrektur hat. Zwar sind alle Dipol Geräte bereits ab werk hervorragend zentriert allerdings kann es passieren, dass man die Treffpunktlage korrigieren muss und hierfür sollten die digitalen Geräte eine Bildkorrektur haben. Betrieben wird das Gerät mit 2x CR123 Batterien, kann aber auch mit CR123 Akkus betrieben werden. Die Betriebsdauer liegt hier bei ca. 5h. Eine externe Stromquelle kann mittels Mini-USB angeschlossen werden. Ein weiteres Argument für Dipolgeräte ist der gute Service. Der Service an den Geräten findet bei Optinova in Wetzlar statt und wird i.d.R. schnell durchgeführt.

Die Vorteile des Dipol D400 DNS:

  • Robuste und kompakte Bauweise
  • Gute Haptik
  • Sehr gute Bedienbarkeit
  • Gute Menüführung
  • Viele Einstellungsmöglichkeiten
  • Guter Service

 

Nachteile:

  • Keine Video-/ Fotofunktion
  • Keine AppSchnittstelle

 

Fazit

Beide Geräte haben eine Berechtigung und die Preis-/Leistung ist ebenfalls gut. Möchte man auf Sachen, wie Video-/ Foto-Funktionen und AppSchnittstellen nicht verzichten raten wir zum PULSAR-Gerät. Zudem ist das PULSAR-Gerät günstiger als das Pendant von DIPOL.

Uns persönlich gefällt allerdings das Dipol Gerät besser. Es ist kompakt, robust und einfach in der Bedienung. Der Bildsensor leistet hervorragende Arbeit und die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr umfangreich.

Beide Geräte sind mit den notwendigen Bildkorrektureinstellungen versehen und ein IR-Aufheller ist ebenfalls Lieferumfang enthalten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden auf Grund des Preisvorteils für das PULSAR FN455 entscheiden und häufig ein kleines Wärmebildgerät hinzu kaufen. Hier liegt auch die Stärke der Firma PULSAR. Denn PULSAR verfolgt einen sehr systemischen Ansatz. Die App ist mit allen Gräten kompatibel und auch das Zubehör ist sehr umfangreich. DIPOL verfügt auch über eine Zubehörpalette allerdings nicht so umfangreich wie PULSAR.

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