Wärmebildgerät oder Nachtsichtgerät – Eine Gegenüberstellung

Im Rahmen unseres Praxisseminars „Nachtjagd“ kommen immer wieder Fragen zur Nachtsichttechnologie und insbesondere zu Vorsatzgeräten für die Pirsch bei Nacht auf. Im folgenden Artikel werden die drei häufigsten Fragen angesprochen und unsere eigenen Erfahrungen mit Euch geteilt.

Seit diesem Jahr bieten wir interessierten Kunden die Möglichkeit einen Einblick in die Nachtsichttechnologie zu bekommen und die Geräte zu testen. Zu diesem Zweck besuchen wir Sie entweder in Ihrem eigenen Revier oder sie treffen uns in der Nähe von Bonn/ Homberg (Ohm)/ Stadtroda. In jedem Fall werden wir Ihnen ausführlich die Eigenschaften und Besonderheiten dieser Geräte erläutern. Auf diese Weise können Sie eine Auswahl von Nachtsichtröhren/ digitalen Nachtsichtgeräten/ Wärmebildgeräten und Vor- sowie Nachsatzgeräten beider Technologien als Anschauungsmaterial testen. Bevor Sie sich selbst ein Bild machen, sollen an dieser Stelle jedoch die drei häufigsten Fragen, die Teilnehmer vergangener Seminare stellten, angesprochen werden, um Ihnen bereits erste Informationen zu diesen Technologien bereitzustellen.

Frage 1: Welche Technologie ist besser das Nachtsicht- oder Wärmebildgerät?

Potenzielle Anwender eine Technologie für die Nachtjagd prüfen zunächst, welche Form der Nachtsicht insgesamt besser ist. Beide Technologien besitzen spezifische Vor- und Nachteile, sodass keine pauschale Aussage möglich ist. Ein erster Anhaltspunkt ist die Art und Weise des Einsatzzweckes: Zu welchem Zweck wird das Gerät eingesetzt? Eine tabellarische Aufstellung der möglichen Einsatzgebiete folgt an dieser Stelle:

Nachsuche:

  • Die Verwendung eines Wärmebildgerätes erlaubt es dem Nutzer direkt nach Abgabe des Schusses den Anschuss zu untersuchen und den noch warmen Schweiß zu entdecken.
  • Die Wärmebildtechnologie erleichtert es Anwendern die Wärmesignatur des erlegten Stücks schnellstmöglich selbst innerhalb großer Flächen zu bestimmen.

Wildtierzählungen:

  • Die meisten Wildarten verlagern ihre Aktivität, auf Grund des hohen Freizeitdrucks in die Nacht. Mit Hilfe der Nachtsicht-/ Wärmebildtechnologie kann das Wild leichter gesehen und gezählt werden.
  • Die Verwendung eines Scheinwerfers an einem Auto, um die leuchtenden Augen der Tiere zu zählen, ist bei Verwendung dieser Technologie nicht mehr notwendig.

Kampf gegen ASP und Wildschadenverhütung:

  • Die zunehmende Schwarzwildpopulationen führen in unseren modernen Kulturlandschaften zu massiven Wildschäden.
  • Zeitmangel und wenige Vollmondtage im Jahr erschweren die effektive Schwarzwildbejagung.
  • Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erfordert eine zunehmende Regulierung der Schwarzwildbestände.
  • Durch die Wärmebild- und Nachtsichttechnologie kann die Jagd auf das Schwarzwild unabhängig von den Tageszeiten erfolgen.

Unter Berücksichtigung des von Ihnen angestrebten Einsatzzweckes müssen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Technologien verglichen werden, um die bessere Technologie für Ihren persönlichen Einsatzzweck zu bestimmen. Aus diesem Grund werden nun die jeweiligen Vor- und Nachteile der Technologien dargestellt:

Wärmebildtechnologie

Nachtsichttechnologie

Vorteile

Vorteile

  • Eine kontrastreiche Darstellung vereinfacht das Auffinden von Wärmesignaturen.
  • Bei Tag und Nacht einsetzbar
  • Kein Restlicht oder zusätzliche Lichtquellen werden benötigt.
  • Weitestgehend witterungsunabhängig
  • Geringere Alterung der verwendeten Mikrobolometer bzw. Bildschirme
  • Leichter als die meisten Nachtsichtröhren
  • Niedrigerer Energieverbrauch
  • Detailreiches Bild, welches sofort nach Einschalten des Gerätes zur Verfügung steht
  • Geweihe und Gehörne können angesprochen werden.
  • Bei Restlichtverstärkern mit Elektronenröhre ist kein Einschießen von Vorsatzgeräten notwendig.

Nachteile

Nachteile

  • Hoher Energieverbrauch (durchschnittliche Akkulaufzeit bei 3-5 Stunden)
  • Entfernungen sind durch das Display unschätzbar.
  • Kein Ansprechen von Geweihen bzw. Gehörnen möglich. Auch das Ansprechen des Wildkörpers wird erschwert.
  • Vorsatzgeräte müssen eingeschossen werden.
  • Scheiben verbleiben undurchsichtig.
  • Eine warme Umgebungstemperatur und eine hohe Luftfeuchtigkeit vermindern die Detailtiefe des Wärmebildes.
  • Nicht jede Vegetation, die zwischen dem Jäger und dem Wild steht, kann wahrgenommen werden.
  • Die Elektronenröhre verliert über die Dauer der Nutzung an Leistung.
  • Witterungsabhängig (Nebel, starker Regen)
  • Die Nachtsichttechnologie ist auf Restlicht aus der Umgebung angewiesen.
  • Einsatz nur bei Nacht möglich.

Fazit

Beide Technologien können abhängig vom angestrebten Verwendungszweck ihrem Gegenüber deutlich überlegen sein. Die Wildtierbeobachtung und das Aufspüren von Wild erfolgt nach unserer Erfahrung am besten unter Anwendung der Wärmebildtechnologie. Wenn Sie hingegen vorwiegend Wild genau ansprechen wollen, empfehlen wir Ihnen eher ein Nachtsichtgerät. Sein detailreiches Bild ermöglicht es die Hintergrundgefährdung bestens zu beurteilen, sodass diese Technologie sich hervorragend als Vorsatzgerät eignet.

Frage 2: Sind Vorsatz- oder Nachsatzgerät besser?

Auch diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Aus diesem Grund werden hier die Vor- und Nachteile der Geräte aufgelistet, sodass Sie abwägen können, welche Bauart am besten zu Ihren Bedürfnissen passt:

Vorsatzgeräte

Wärmebildvorsatzgeräte

Nachtsichtvorsatzgeräte (analog)

Vorteile:

Vorteile:

  • Diese Geräte besitzen häufig eine Video- bzw. Fotofunktion.
  • Die allgemeinen Vorteile eines Wärmebildgerätes treffen hier ebenso zu.
  • Tageszeitunabhängig.
  • Das Wild kann gut angesprochen werden.
  • Die Beurteilung der Hintergrundgefährdung ist gut möglich.
  • Hindernisse können sicher erkannt werden.
  • Analoge Nachtsichtvorsatzgeräte müssen nicht eingeschossen werden.

Nachteile:

Nachteile:

  • Diese Geräte müssen meist justiert und eingeschossen werden, da der Anwender auf ein Display schaut.
  • Anwender können nur einen sehr kleinen Vergrößerungsbereich der gesamten Optik nutzen.
  • Das Wild kann kaum angesprochen werden.
  • Hindernisse werden nicht immer erkannt.
  • Die Hintergrundgefährdung kann nicht gut beurteilt werden.
  • Die Qualität der Sicht ist abhängig vom Restlicht und der Witterung.
  • Die meisten Geräte besitzen keine Video- bzw. Fotofunktion.
  • Der Vergrößerungsbereich ist auch in diesem Fall eingeschränkt

 

Nachsatzgeräte/ Okularlösungen

Wärmebildnachsatzgeräte

Nachtsichtnachsatzgeräte

Diese Geräte sind in Deutschland aktuell nicht erlaubt.

Vorteile:

  • Der volle Vergrößerungsbereich der Tageslichtoptik kann genutzt werden.

Nachteile:

  • Der Augenabstand wird verringert außer das Zielfernrohr wird weiter vorne an der Waffe montiert.
  • Das Bild eines Nachsatzgerätes ist im Vergleich zu einem Vorsatzgerät deutlich dunkler, da das einfallende Restlicht durch die Optik an das Gerät gelangt.
  • Nachsatzgeräte benötigen einen Parallaxenausgleich, da ansonsten eine Bildebene verschwommen ist.
  • Der Leuchtpunkt der Tageslichtoptik kann nicht verwendet werden.

 Frage 3: Wie teuer darf ein Gerät sein?

Diese Frage muss abhängig von Ihrem eigenen Verwendungszweck sowie Ihrem Budget beantwortet werden. Im Allgemeinen sollten Anwender ungefähr einen ähnlichen Betrag wie für die Tageslichtoptik einplanen.

Analoge Nachtsichtröhren sind meist preislich etwas höher angesiedelt als digitale Geräte. Jedoch besitzen diese Geräte eher selten eine Video- bzw. Fotofunktion. Im Gegenzug liefern diese Geräte im Vergleich zu ihrem digitalen Gegenstück ein sehr gutes und helles Bild. Die digitalen Geräte punkten somit vor allem mit ihren umfangreichen Funktionen und werden in Zukunft wahrscheinlich ihre Bildqualität steigern.

Wärmebildgeräte haben in der Regel eine Video- bzw. Fotofunktion und einen insgesamt höheren Funktionsumfang im Vergleich zu Nachtsichtröhren. Die Preisspanne für diese Geräte ist sehr groß. Der Preis eines Wärmebildgerätes hängt im Wesentlichen vom Bildsensor bzw. der Dektorzellengröße und Detektorenempfindlichkeit sowie der Weite des Sichtfelds ab.

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