Teil VII - Das richtige Zielfernrohr für den Jungjäger

Die Auswahl an Zielfernrohren ist nahezu unermesslich und man findet alle Preiskategorien. Auf dem Deutschen Jagdblog haben wir einen Grundsatzartikel zum Thema Zielfernrohre geschrieben, da man das Thema nicht abschließend erläutern kann. Grundsätzlich sollte man der Wahl des Zielfernrohrs darauf achten, was der zukünftige Einsatzzweck sein soll.

Auf der nebenstehenden Grafik sehen Sie eine Kategorisierung verschiedener Optiktypen, wie man sie üblicherweise im internationalen Sprachgebrauch findet. Im unteren Bereich der Abbildung findet meine grobe Zuordnung zu den verschiedenen Jagdarten, natürlich ist diese Beurteilung nicht endgültig und nach persönlichen Präferenzen angepasst werden.

Fangen wir mal mit den offenen Visierungen an. Hier unterscheidet man zwischen verschiedenen Bauarten. Die klassische offene Visierung ist die Kimme i.V.m. einem Korn. Diese Visierung findet auf den meisten Jagdwaffen, der Trend geht aktuell allerdings dazu, diese Visierung nicht mehr zu verbauen. Der entscheidende Nachteil dieser Visierung ist Anfälligkeit für Zielfehler. Gut bei dieser Visierung ist, dass sie sehr robust und unanfällig für Witterung ist. Eine weitere Variante der offenen Visierung ist das Rotpunktvisier/ Reflexvisier. Diese sind meist in Röhrenbauweise gebaut und sehr robust. Bei diesen Optiken wird mittels einer LED ein roter Punkt in die Visierline projiziert, der als Zielpunkt dient. Konstruktiv ist bei diesen Optiken der Parallaxenfehler ausgeschaltet. Ebenso bei den sog. Holosights. Der große Unterschied der Holosights zu den Rotpunktvisieren ist, dass die Holosights mittels eines Prismas ein Hologram in der Visierlinie erzeugt wird.

Die zweite große Gruppe von Optiken sind die sog. LPVO (Low Power Variabel Optic) Optiken. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass die Objektive meist zwischen 24mm und 30mm Durchmesser haben und die Vergrößerung bis 6-fach geht. In Ausnahmefällen findet man in dieser Kategorie auch Optiken mit bis zu 10-facher Vergrößerung, diese Zielfernrohre wurden meist für militärische Anwende entwickelt und sind sehr teuer. Diese Optiken bieten sich an, wenn man viel am Tag jagd, schnell Objekte auffassen möchte und keine große Vergrößerung benötigt, weil man auf kurze Distanz jagd. In Kombination mit einem geeigneten Absehen kann man aus diesen Optiken sehr viel rausholen. Gasti hat auf dem Deutschen Jagdblog einen Bericht zu der von uns favorisierten LPVO Optik von Trijicon geschrieben, den Bericht findet Ihr hier: https://deutscher-jagdblog.de/trijicon-credo-1-6x24-die-neue-drueckjagdoptik-fuer-deutschland/

Die dritte Gruppe Optiken sind Zielfernrohre mit großer Vergrößerung und großen Objektiven. Diese Optiken werden häufig für den Ansitz verwendet und bieten den Vorteil der großen Vergrößerung. Aus jagdlicher Sicht ist es sinnvoll bei diesen Optiken drauf zu achten, dass die Grundvergrößerung nicht zu hoch ist. Eine 2-fache oder 3-fache Grundvergrößerung hat sich für die meisten Jäger als sehr probat herausgestellt. Bei der maximalen Vergrößerung gehen die Geschmäcker weit auseinander. Die meisten Jäger kommen mit einer 12-fachen Vergrößerung auf die jagdüblichen Distanzen sehr gut zu recht.

Welche Kriterien sind für die Wahl der Optik ausschlaggebend?

Wenn man eine Optik für die erste Büchse wählt, sollte man sich darüber bewusstwerden, wie man überwiegend jagen wird. Ist es der Ansitz bei Nacht ohne Vorsatzgeräte, kann man ruhig ein klassisches Ansitzglas wählen. Allerdings geht heute der Trend zur Verwendung von Vorsatzgeräten. Spielt man mit den Gedanken auf lange Sicht ein Vorsatzgerät zu kaufen, so kann man auch eine preisgünstigere LPVO Optik kaufen, diese kann mit dem entsprechenden Adapter auch mit Vorsatzgeräten verwendet werden. Die Firma Blaser ist hier Vorreiter bei der Konstruktion von Optiken, die mit Vorsatzgeräten verwendet werden sollen (s.a. Artikelempfehlungen unterhalb des Blogbeitrags).

Möchte man eine preisgünstige Tageslichtoptik, die auch geeignet ist, ein Vorsatzgerät aufzunehmen (da wo es erlaubt ist), sollte man darauf achten, dass die Außendurchmesser des Objektivs und des Okulars den Standarmaßen der Adapter für Vorsatzgeräte entsprechen. Zudem müssen die Ausmaße der Tageslichtoptik das Anbringen eines Vorsatzgerätes ermöglichen; sprich der Abstand des Objektivs zum Lauf muss genügend groß gewählt werden (kann auch durch die Bauhöhe der Montage beeinflusst werden). Für die Verwendung von Nachsatzgeräten benötigt man für das Scharfstellen des Bildes einen Parallaxenausgleich, dieser ist nicht bei jeder Optik vorhanden.

Braucht man eine ASV?

Die ASV (Absehen Schnell Verstellung) ist dafür gedacht den Ballistsischen Abfall des Projektils auf weite Distanzen, durch das Verstellen des Absehens auszugleichen, so dass man Zielmitte anhalten kann (vorausgesetzt man hat die richtige Einstellung gewählt). Die ASV muss meist sehr teuer bezahlt werden. Bei der Frage, ob man eine ASV benötigt, sollte man ehrlich zu selbst sein. Schießt man tatsächlich auf Entfernungen jenseits der 200m, dann lohnt sich eine ASV in den meisten anderen Fällen nicht. Mittels der ASV kann man auch den Unterschied zwischen Schießen mit Schalldämpfer und ohne ausgleichen bzw. den Wechsel zwischen unterschiedlichen Munitionssorten.

Welches Absehen benötige ich?

Bei der Wahl des Absehens gibt es zwei Punkte zu berücksichtigen. Lage des Absehens (1. oder 2. BE) und die Gestaltung des Absehens. Ist man kein Experte in der Nutzung von Mil-Absehen, gibt es keine Notwendigkeit ein solches Absehen zu kaufen, die meisten Kunden nehmen das 4er Absehen, was derzeit wahrscheinlich am weitesten verbreitet ist. Eine Alternative ist das Absehen 1. Zum Thema Absehen hat Gasti  einige weiterführende Artikel auf dem Deutschen Jagdblog geschrieben und auf dem YouTube Kanal des Deutschen Jagdblog einige Videos erstellt:

  1. Die ASV: https://deutscher-jagdblog.de/die-absehen-schnell/
  2. Die Geschichte von Absehen: https://deutscher-jagdblog.de/entstehung-nutzung-absehen/
  3. 1. Oder 2. BE?: https://deutscher-jagdblog.de/absehenlage/
  4. MIL-Absehen: https://deutscher-jagdblog.de/moa-mildot-strich/
  5. Video Entfernungen mit dem Absehen schätzen: https://www.youtube.com/watch?v=b4_2kbjlhMs&t=293s
  6. Video 1. Oder 2. BE? https://www.youtube.com/watch?v=AWNscH144wk&t=381s

Parallaxenausgleich und Absehenbeleuchtung

In der heutigen Zeit gehört eine Absehenbeleuchtung zum Standard, hier stellt sich eher die Frage, soll die Absehenbeleuchtung mit einer Abschaltautomatik und verschiedenen Farben versehen sein.

Der Parallaxenausgleich gehört derzeit noch nicht zum Standard, bietet sich jedoch an, wenn man viel mit Vorsatz oder Nachsatzgeräten arbeiten will. Über den Parallaxenausgleich holt man oft das restlichen Quäntchen Schärfe heraus. Die meisten Jagdoptiken sind konstruktiv auf 100m Parallaxenfrei geschaltet. Möchte man auch auf große Distanzen schießen, sollte man über einen Parallaxenausgleich nachdenken.

Fazit

Die Art und Weise, wie man jagd und die Beschaffenheit des Reviers entscheiden über die Wahl der Ausrüstung. Jagd man überwiegend vom Ansitz in der Dämmerung (ohne Vorsatzgeräte), sollte man ein ZF mit einem großen Vergrößerungsbereich und guter Dämmerungsleistung kaufen (z.B.: das Trijicon Credo HX 2.5-10x56. Verlangt das Revier sehr weite Schüsse, sollte man eine Optik kaufen, die über eine ASV, Parallaxenausgleich und evtl. ein gutes Absehen verfügt. Für die Drückjagd sind Gläser mit einer zu großen Vergrößerung hinderlich, hier bieten sich die verschiedenen Rotpunktvisiere oder die LPVO Optiken an. Früher oder später wird man eine zweite Optik kaufen, meist eine Drückjagdoptik.

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