Der Plan war simpel: Wir wollten mit den Jagdvideos bei der Akademie für Jäger und Sportschützen nicht nur „mitlaufen“, sondern euch zeigen, wie wir Jagd wirklich vorbereiten – inklusive Kontrolle, Technik, Diskussionen am Tisch und den Momenten, in denen man eben auch ohne Weidmannsheil heimfährt.
Dafür haben wir einen Kumpel besucht: Armin Reiser. Früher war er mal Kunde, heute ist er der beste Beweis dafür, dass daraus Freundschaft werden kann. Wer ihn kennt: Armin war auch schon beim 300-m-Seminar dabei. Und sein Revier hat eine Besonderheit, die in Deutschland gar nicht so selten ist – aber viele unterschätzen sie: Weitläufige Feldstrukturen, Schussdistanzen, die schnell über das hinausgehen, was man von „Kirrungsentfernung“ kennt.
Gleichzeitig ist Armin inzwischen auch mit dem Waffenhandel Reiser als Partner in Süddeutschland für die 1MOA GmbH aktiv. Für uns war das die perfekte Kombination: Revierpraxis plus Technik- und Trainingsansatz.
Warum dieses Revier Long-Range überhaupt relevant macht
Armin hat es direkt eingeordnet: Der Wildbestand ist gut, es gibt regelmäßig Sprünge und Anblick – und die Struktur des Feldreviers bringt Situationen mit sich, in denen man nicht automatisch auf 60–80 Meter schießt. Teilweise entstehen Erfordernisse für größere Distanzen.
Wichtig: Niemand ist hier losgezogen mit dem Motto „heute jagen wir auf 300“. Das Ziel war ein anderes – wir wollten überprüfen, ob unser Setup unter realen Bedingungen wirklich das tut, was wir glauben. Und genau da fängt Waidgerechtigkeit an: nicht bei der Distanz, sondern bei der Vorbereitung.
Kontrollschuss ist Pflicht: Montage, Drehmoment, Nullpunkt
Am ersten Tag war es – wie so oft – auch ein Stück Geselligkeit. Alte Freunde wiedersehen, neue Leute kennenlernen, gemeinsam einsteigen. Mit dabei waren neben Armin und mir auch Trense als Kameramann, Keno Johansen (manche kennen ihn als Weitfein), Tobias (diesmal Teamkoch und „Küchengott“) und Benze Horwart von Schmidt & Bender, der Optiken mitgebracht hat, die ihr im Video auch seht.
Und dann ging es an das, was viele am liebsten überspringen – was aber für uns immer fester Bestandteil ist: Einschießen bzw. Überprüfungsschießen.
Wir haben am Setup gearbeitet, ein Schmidt & Bender montiert, mit Schienenmontage – also grundsätzlich „einfach“ austauschbar. Aber genau da passieren in der Praxis die Fehler: Drehmoment. Nicht Pi mal Daumen. Nicht „hat sich gut angefühlt“. Sondern Herstellerwerte einhalten – und dafür braucht man vernünftiges Werkzeug. Wer an der Stelle spart und den billigsten Drehmomentschlüssel kauft, spart am Ende oft am falschen Ende.
Und noch wichtiger: Schrauben nochmal prüfen. Gerade bei Ringmontagen kann trotz „Klick“ irgendwo wieder minimal Luft drin sein. Das ist so ein Klassiker, der später dann als „die Waffe schießt komisch“ verkauft wird.
ShotMarker: Warum wir elektronische Treffererfassung nutzen
Im Revier angekommen haben wir zunächst das Gelände angeschaut, dann den ShotMarker aufgebaut – einmal auf 100 Meter, später auf über 300 Meter.
Das Systemprinzip: Vier Akustiksensoren, die den Geschossknall bzw. Vorbeiflug messen. Aus der Zeitdifferenz errechnet die Software millimetergenau die Trefferlage im Koordinatensystem. Die Daten laufen per Funk an einen Empfänger und von dort aufs Tablet – abrufbar über einen Webbrowser.
Das Entscheidende für uns: Auf 360 Meter willst du nicht „deuten“, ob da gerade ein Loch ist oder nicht. Du willst wissen, wo das Geschoss wirklich ankam. Millimetergenau. Und genau dafür ist so ein System ein brutal hilfreiches Werkzeug – nicht zum Angeben, sondern zum Verifizieren.
100-m-Zero und dann 360 Meter: Der Moment, wo Theorie auf Realität trifft
Wir sind klassisch gestartet: 100-m-Zero nach der Montage. Dann Ziel auf 360 Meter.
Natürlich haben wir eine Ballistik-App genutzt und den theoretischen Geschossabfall kalkuliert. Und natürlich kam das, was eigentlich zu erwarten war: Theorie und Scheibe passen nicht sofort zusammen.
Warum? Weil wir am Anfang auf Fabrikwerte vertraut haben – insbesondere Mündungsgeschwindigkeit. Die steht auf der Packung, fühlt sich „offiziell“ an, ist aber eben nicht automatisch dein Wert.
Deshalb haben wir das gemacht, was wir immer dabeihaben, wenn wir es ernst meinen:
Laserentfernungsmesser für die exakte Distanz und den Garmin Xero C1 zur Messung der realen Mündungsgeschwindigkeit.
Ergebnis: Im Mittel waren wir rund 45 Meter pro Sekunde langsamer als die Packungsangabe. Und das ist der Punkt, den viele nicht wahrhaben wollen: Packungswerte sind ein Hilfsmittel – aber keine Garantie. Wer auf größere Distanzen wirklich sicher treffen will, muss seine Daten ermitteln und einpflegen.
Nachdem wir die realen Werte in die App übernommen haben, konnten wir korrigieren und am Ende zwei Schüsse antragen, die in der Trefferzone eines Wildkörpers in Schmaltier-Größe auf 400 Meter gelegen hätten.
Das war technisch beeindruckend – gerade weil wir hier nicht mit einem „hochgezüchteten Long-Range-Kaliber“ unterwegs waren, sondern sinngemäß mit einem Setup, das viele als „normal“ einordnen würden: gutes Glas, saubere Daten, Hausaufgaben gemacht.
Und genau da kam auch die wichtige Einordnung:
Technisch ist das möglich. Die Frage ist immer, ob man es jagdlich macht – und ob man es verantworten kann. Denn wenn du nicht überprüfst, kommen Unschärfen rein. Und Unschärfen führen dazu, dass man krank schießt. So einfach ist das.
Die Jagd selbst: Anblick ist nicht automatisch Schuss
Nachdem die Waffen überprüft waren, war der Druck natürlich groß, endlich rauszugehen. Es ging zurück in die Unterkunft, Verpflegung aufnehmen, Material vorbereiten – und weil es am ersten Tag schon Weidmannsheil gab, war die Erwartung bei allen spürbar.
Wir waren in Teams unterwegs: Trense und ich zusammen, Armin mit Keno, Benze und Tobias jeweils separat.
Mein Ansitz: Feldkante, ein Stück stand etwa zwei Meter im Wald. Ich habe es mit der Wärmebildkamera gesehen, aber es trat nicht heraus. Und dann kam der Teil, der in vielen „Highlight-Videos“ fehlt, aber jagdlich entscheidend ist: Nicht schießen.
In den Wald hinein wäre es fragwürdig gewesen. Und zusätzlich war das Licht so weit weg, dass ich über das Glas gegen den dunklen Hintergrund keinen sauberen Schuss mehr hätte antragen können. Es hätte mitten auf der Fläche stehen müssen – ist nicht passiert.
Also: ohne Weidmannsheil abtreten. So kann es eben auch gehen.
Parallel lief es bei anderen anders – und genau diese Mischung gehört zur Jagd.
Abendmahl im Revier: Wenn aus Jagd Lebensmittel werden
Während Armin noch draußen war, hat Tobias das Essen vorbereitet – mit dem Reh vom ersten Abend.
Geplant war ein Tartar vom Rehrücken auf Schwarzwurzel-Rösti als erster Gang. Und wenn noch jemand Weidmannsheil hat: frische Rehleber, klassisch mit Kartoffelstampf, Portweinsoße und ein bisschen Schaum.
Dann kam die Nachricht: Weidmannsheil – die Leber kommt. Genau diese Momente machen die Jagd für viele so besonders: Du siehst den Kreislauf vom Revier bis auf den Teller. Urproduktion, hochwertige Lebensmittel, direkt verarbeitet.
Und ja: Das war auch das Abschlussgefühl dieses Tages. Nicht „Trophäe“, nicht „Meter“, sondern Genuss, Gemeinschaft, ein runder Abend – und das Philosophieren über Jagd, wie es eigentlich immer endet, wenn man zusammen unterwegs war.
Fazit: Distanz ist nicht das Thema – Kontrolle ist es
Dieses erste Jagdvideo ist für uns ein Auftakt: Wir wollen euch nicht nur Schüsse zeigen, sondern den ganzen Kontext.
Was bleibt hängen?
Wer auf größere Distanzen überhaupt in Erwägung zieht zu schießen, muss seine Hausaufgaben machen: sauberer Nullpunkt, korrekte Montage, Drehmoment, reale Daten statt Packungswerte, kontrollierte Trefferlage – idealerweise mit elektronischer Treffererfassung statt Spektiv-Raten.
Und dann kommt der wichtigste Schritt: jagdliche Entscheidung. Nur weil etwas technisch möglich ist, ist es nicht automatisch jagdlich richtig. Ohne Kontrolle entstehen Unschärfen – und Unschärfen machen krank.
Armin hat es am Ende schön zusammengefasst: Selbst in Revieren mit hohem Waldanteil gibt es auf freier Fläche Situationen, in denen größere Distanzen vorkommen. Beim nächsten Mal suchen wir uns ein neues Thema – und am besten direkt den nächsten Termin.
Und wenn ihr Armin sehen wollt: Schaut bei ihm vorbei – er ist nicht nur ein Freund, sondern auch ein wichtiger Kooperationspartner. Und natürlich freuen wir uns, wenn ihr beim nächsten Video wieder reinschaut.